Die Jahres- und Tageseinteilung

Zum römischen Kalender gibt es eine Reihe interessanter Links, die ihr euch ansehen könnt. Vor allem könnt ihr euch gegenwärtige Datumsangaben in lateinische umwandeln lassen!

http://images.google.de/images?num=20&q=r%F6mischer+Kalender(wenn diese Adresse aus Word heraus nicht klappt, gebt sie bitte direkt im Browser ein, dann geht’s!)

http://www.lateinforum.de/roemer2b.htm#Seiteninhalt

http://www.kreienbuehl.ch/lat/latein/kultur/kalender.html

http://privat.schlund.de/B/BellumGallicum/kalender/index_kalender.html

http://home.t-online.de/home/Wiebke.Timm/salve.htm?http://home.t-online.de/home/Wiebke.Timm/datum.ht m

http://www.univie.ac.at/latein/gr/kal.htm

http://www.lateinforum.de/roemer2b.htm

 

Grammatikalische Hilfen

Bild aus: litterae, S. 37

VII. Woran man immer dachte: Tages- und Jahreseinteilung

Uns wäre es unvorstellbar, nicht jederzeit die genaue Uhrzeit wissen zu können. Man bedenke, daß Termine oft pünktlich auf die Minute angesetzt werden. Nicht so in römischer Zeit. Man bestimmte zwar mit Wasser und Sonnenuhren die Zeit relativ genau, solche Uhren standen aber nur auf öffentlichen Plätzen und in den Häusern der Reichen; auch der Besitz von Taschensonnenuhren - man hat solche gefunden - wird nicht gerade billig gewesen sein. Zudem wechselte die Uhrzeit genaugenommen von Tag zu Tag, denn die 24 Stunden, in die man auch in römischer Zeit Tag und Nacht einteilte, richteten sich in ihrer Länge nach Sonnenauf- und untergang, die Tagesstunden im Winter waren also kürzer als die im Sommer, unabhängig davon feststehende Uhrzeiten waren allein 12 Uhr mittags und Mitternacht. Eine gewisse Parallele, die Tageslänge nach der Tageshelle zu bemessen, bieten heute südliche Länder und England, die die Uhren im Winter um eine Stunde zurückstellen.

Die Einteilung des Jahres in zwölf Monate haben wir bekanntlich von den Römern übernommen, wie auch die Einteilung in vier Jahreszeiten und die Aufgliederung in namengebende Sternbilder. Es haben sich sogar antike "Steckkalender" gefunden, auf denen man Tage und Monate ablesen konnte.

Erhalten ist ein solcher mit 31 Löchern für die Tage des Monats, 7 für die Wochentage, die jeweils unter dem Schutz einer bestimmten Gottheit stehen. Die im Mittelkreis angeordneten Löcher bezeichnen die Monate und Monatshälften (Abb. 11).

Allgemein pflegte man mit Sonnenaufgang aufzustehen - Langschläfertum war vielleicht noch mehr als heute verpönt - und begab sich sofort an seine Geschäfte (s. Kap. VIII). Trotz des zeitigen Aufstehens legte man sich aber nicht besonders früh zu Bett, denn die Einhaltung einer Mittagsruhe war üblich. Sie teilte den Tag in zwei Hälften, wie es auchheute noch in südlichen Ländern der Fall ist, wo die Städte über Mittag wie ausgestorben wirken und sich erst gegen vier Uhr wieder mit Leben füllen. Die uns bekannten Abendveranstaltungen wie Theater, Konzerte, Vorträge hat es in römischer Zeit nicht gegeben, vielmehr fanden alle öffentlichen Darbietungen am Tage statt und dehnten sichhöchstens bis in den späten Abend aus.

Man wundert sich vielleicht, daß die Hauptmahlzeit zu einer Tageszeit eingenommen wurde, die mitten in unserem Nachmittag liegt. Der Grund dafür ist, daß die Römer normalerweise um diese Zeit schon aufhören wollten zu arbeiten. Man begann mit der Arbeit bei Sonnenaufgang und legte sie möglichst nach sechs Stunden nieder, um sich den Rest des Tages anderem widmen zu können auf jeden Fall war dass das Lebensideal. Trotzdem wird die Arbeitsleistung der unseren gleichgekommen sein, da man ein "Wochenende" nicht kannte, sondern nur staatliche Feiertage (...). Zudem sind uns römische Arbeitsverträge bekannt, die eine Arbeitszeit von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang angeben - der freie Nachmittag der Römer, von dem man so viel liest, ist also für die meisten nur ein Traum gewesen.

Außerdem ist es selbstverständlich, daß ein kleiner Handwerker zumindest so lange arbeitete, bis er das notwendige Geld verdient hatte und die Sklaven solange, wie der Herr es von ihnen verlangte. Auch die Juristen waren an Gerichtstagen den ganzen Tag über beschäftigt. Die staatlichen Bediensteten freilich und jeder, der es irgend einrichten konnte, arbeiteten im Sommer sieben und im Winter sechs Stunden. Allerdings war man in dieser Entscheidung nicht ganz unabhängig, denn die Berufsgenossenschaft (s. S. 56 f.); zu der man gehörte, konnte staatlich anerkannte, also bindende Regeln aufstellen, die auch die Arbeitslänge betrafen. In unserer Zeit, wo Streß und Überstunden die Regel sind, wirkt eine solche Einstellung, sich von der Arbeit nicht aufreiben zu lassen, besonders positiv. Dabei gab es kein in unserem Sinne soziales Arbeitsrecht, keine Altersversorgung und keine Streikmöglichkeit, das Berufsrisiko war also ungemein größer.

 

Text und Abbildung aus Inge Linford-Reich, S. 53-55

Die Uhr: Die Römer kannten nicht die Äquinoktialstunde, das heißt die Stunden zu sechzig Minuten, die den astronomischen Tag in vierundzwanzig gleiche Teile scheidet. Der Tag, also die Zeit zwischen Sonnenauf- und -untergang, war in zwölf gleiche Stunden (horae) geteilt, so daß die Stunden des Sommers länger waren als die des Winters. Die sechste Stunde war die der Mittagszeit. Außer den Himmelsbeobachtungen, soweit dies die meteorologischen Bedingungen zuließen, hatte man als normales Mittel zur Zeitbestimmung zwei Arten von Uhren, die in der Antike so selten waren, wie sie bei uns üblich sind: die Sonnenuhr (solarium) und die Wasseruhr (clepsydra). Die Pendel- und Federuhren, die beide auf dem charakteristischen Spiel der Zahnräder beruhen, kamen erst gegen Ende des Mittelalters auf; die Römer mußten sich mit primitiven und wenig exakten System begnügen, um die Stundenzeit ungefähr feststellen zu können. Uns modernen Menschen, die wir gewohnt sind, die Zeit in Bruchteile von Minuten und Sekunden einzuteilen, um aus der Uhr den unentbehrlichen Begleiter unseres fieberhaften Tempos zu machen, erscheint es fast unmöglich, daß die Menschen der griechischen und römischen Antike in einer glücklichen Ungewißheit der dahineilenden Zeit lebten, wie selbst unsere Bauern sie nicht mehr kennen. Vielleicht hat auch unsere Uhr dem Leben einen Teil seiner Poesie genommen; sie hat die Einheit des Tages, die eigentlich eine Einheit von Licht und Sonne darstellt, zerstückelt und zermahlen; an Stelle des carpe diem ist der Drang nach Erfassung des flüchtigen Augenblicks getreten. Das Ticktack der Uhren ist ein wenig in unsere Herzen gedrungen, hat den menschlichen Geist zu einem automatischen Rhythmus gezwungen, der auf die Starre des Stahls und die Einförmigkeit der Maschine abgestellt ist. Wir wollen daher die Römer nicht bemitleiden, wenn sie keine genauen Uhren hatten und die Bestimmung der Zeit ein so ernstes Problem war, daß ein Philosoph wie Seneca ausruft: "Es ist leichter, die Philosophen in Übereinstimmung zu bringen als die Uhren"- Und das will viel heißen!

Text aus U. Paoli, S. 106-107

 Jahr und Tag